Kontext
Eine kurze Geschichte des Web-Analytics — und warum es Zeit für einen Neuanfang war.
Dreißig Jahre Besuchermessung in neun Etappen. Pioniere, Werbe-Monopol, DSGVO-Beben, Bußgeldwellen, Aufstieg der KI — und der Platz, der noch zu besetzen war.
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1993
Der erste Besucherzähler
Webhits, dann Analog (1995), erfinden die Auswertung von Apache-Logfiles. Web-Analytics entsteht serverseitig: eine Zahl, eine Seite, kein JavaScript. Datenschutz ist implizit — es gibt schlicht niemanden, den man tracken könnte.
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2005
Google kauft Urchin und erfindet kostenloses Analytics
Google Analytics startet. Kostenlos, mächtig, überall integriert. Der implizite Deal: Sie messen Ihre Website, Ihre Daten reisen auf kalifornische Server. Für eine Milliarde Websites wurde das fünfzehn Jahre lang zum Standard.
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2016–2018
Die DSGVO schreibt die Regeln neu
2016 verabschiedet, ab dem 25. Mai 2018 anwendbar: Die Datenschutz-Grundverordnung erzwingt Einwilligung, Minimierung, Recht auf Löschung und — vor allem — dass Daten in der EU oder in einem als angemessen anerkannten Land bleiben. Cookie-Banner überschwemmen das Web.
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2018–2019
Eine neue Welle Privacy-First-Analytics
Die DSGVO öffnet einen Markt: Fathom Analytics (2018, Kanada / Vereinigtes Königreich), Simple Analytics (Oktober 2018, Niederlande) und Plausible Analytics (April 2019, Estland, Open Source) beantworten dieselbe Frage: Kann man Besucher messen, ohne Cookies, ohne site-übergreifende ID, ohne Datenweitergabe? Erste Generation konkreter Antworten.
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2020
Schrems-II-Urteil: das Beben
Am 16. Juli 2020 erklärt der Europäische Gerichtshof im Urteil C-311/18 (Schrems II) den Privacy Shield für ungültig. Die praktische Konsequenz ist klar: internationale Datentransfers müssen dokumentiert, vertraglich geregelt und im Einzelfall geprüft werden. Sein Nachfolger, das Data Privacy Framework (Juli 2023), bleibt unter Beobachtung.
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2022
Google Analytics in Europa für illegal erklärt
Österreich macht den Anfang im Januar 2022 (DSB). Die CNIL folgt am 10. Februar. Dann Italien (Garante), Dänemark, Norwegen, Finnland, die Niederlande. Gemeinsames Verdikt: GA setzt europäische Besucher US-Überwachung aus. Öffentliche Websites müssen dringend migrieren.
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2023
Rekordjahr für DSGVO-Bußgelder
Meta wird im Mai mit 1,2 Milliarden Euro belegt — illegale EU → US-Datentransfers (irische DPC). TikTok zahlt 345 Millionen für Daten Minderjähriger. Criteo bekommt 40 Millionen für Werbe-Tracking ohne Einwilligung (CNIL). Gesamtsumme seit DSGVO-Inkrafttreten: über 4 Milliarden Euro.
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2024 → 2025
ChatGPT, Claude, Gemini: ein neues Publikum
KI-Assistenten werden zu einer eigenständigen Traffic-Quelle: Sie zitieren Seiten, schicken Crawl-Bots, bringen Besucher aus ihrem Chat-Fenster. Klassische Analytics-Tools zählen sie als Menschen — oder ignorieren sie als Rauschen. Marketeers fliegen blind.
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2026
snorklee — Analytics für das KI-Zeitalter
snorklee besetzt den freien Platz: den kompletten KI-Funnel einer Website messen — von KI-Robots gecrawlte Seiten, live für Antworten abgerufene Seiten, Besucher aus KI-Chats — mit einer in der EU gehosteten souveränen Analytics. Ohne Cookies, ohne personenbezogene Daten, Menschen und KI getrennt gezählt.